Case Study
Definitive Protocol
Das System entscheidet nicht. Es macht innere Wertmuster und Proxy-Fit sichtbar.
Ein explorativer Logic-Prototyp für strukturierte Entscheidungssituationen, Präferenzmuster und die Frage, wer eine Person in kritischen Momenten am ehesten ihrem inneren Wertsystem entsprechend vertreten könnte.
Worum ging es konkret?
Definitive Protocol entstand aus einer schwierigen Frage: Was passiert, wenn eine Person nicht mehr selbst entscheiden kann und andere ihre Präferenzen interpretieren müssen?
Der Fokus liegt nicht auf materiellen Optimierungsfragen, bei denen mehr Daten oder bessere Expertise zu objektiv besseren Entscheidungen führen können. Der Fokus liegt auf persönlichen Entscheidungssituationen, in denen Identität, Autonomie, Würde, Belastung, Familie und innere Grenzen eine Rolle spielen.
Das Projekt ist bewusst explorativ. Es ist kein fertiges Produkt und kein klinisches System. Es ist ein technischer Versuch, eine komplexe Entscheidungsfrage greifbarer zu machen.
Das Vertretungsproblem
Die erste Ebene ist das Vertretungsproblem: Eine Person hat eigene innere Entscheidungswerte, aber in kritischen Situationen muss möglicherweise eine andere Person für sie sprechen.
Die Frage ist nicht, ob diese andere Person gut gemeint handelt. Die Frage ist, ob sie die innere Logik der betroffenen Person wahrscheinlich treu vertreten kann.
Nicht die gleiche Antwort. Das ähnliche Wertmuster.
Was untersucht der Prototyp?
Der Prototyp untersucht nicht, ob zwei Personen eine einzelne Frage gleich beantworten. Er untersucht, ob über mehrere unabhängige Entscheidungssituationen hinweg wiederkehrende Wertmuster sichtbar werden.
Aus Antworten entstehen keine endgültigen Wahrheiten, sondern Hinweise auf Präferenzdimensionen: zum Beispiel Autonomie, Risiko, Familie, Kontrolle, Belastung oder persönliche Grenzen.
Diese Muster können mit der Perspektive einer anderen Person verglichen werden. Die zentrale Frage ist, ob diese Person wahrscheinlich ähnlich gewichtet, wenn keine einfache richtige Antwort existiert.
Die Grundlogik
Die Logik beginnt mit strukturierten Entscheidungssituationen. Die Antworten werden nicht nur als einzelne Auswahl gespeichert, sondern als Signale für wiederkehrende Präferenzdimensionen gelesen.
Aus mehreren unabhängigen Situationen entsteht ein Muster. Dieses Muster ist interessanter als eine einzelne Antwort, weil es zeigt, welche Werte wiederholt höher gewichtet werden.
Mini-Demo: Self, Proxy und Session View
Die folgende Demo ist bewusst vereinfacht. Sie zeigt nicht die endgültige Produktlogik, sondern die Kernidee: Ein Self-Profil und eine Proxy-Sicht können als Muster verglichen werden.
Anna
Self-Profil
Mark
Proxy-Sicht
ProxyFit
Session View
Was zeigt der Output?
Der wichtigste Output ist nicht die Entscheidung selbst, sondern der Vergleich zwischen Self-Profil und Proxy-Sicht.
Wenn eine Proxy-Person Autonomie, Familie oder Risiko anders gewichtet als das Self, wird diese Abweichung sichtbar. ProxyFit ist dabei kein moralisches Urteil, sondern ein Hinweis auf mögliche Fehlrepräsentation.
Die Frage ist nicht: Kennt diese Person die richtige Antwort? Die Frage ist: Trägt diese Person ein ähnliches Wertmuster, wenn keine einfache richtige Antwort existiert?
Aktueller Status
Definitive Protocol ist derzeit ein unfertiger, explorativer Prototyp. Ich arbeite nicht dauerhaft daran, sondern nutze das Projekt aktuell als Denk- und Experimentierfeld, typischerweise etwa zwei bis drei Stunden pro Woche, wenn ich gezielt an komplexeren Entscheidungsmodellen weiterdenken möchte.
Der aktuelle Wert des Projekts liegt nicht in einem fertigen Produkt, sondern in der Modellierung: Rollenlogik, Präferenzdimensionen, Proxy-Fit, Grenzen des Systems und technische Demonstration eines möglichen Ansatzes.
Technischer MVP
Der Link führt zu einer frühen interaktiven Demo. Die Oberfläche und Logik sind nicht final, zeigen aber den Grundgedanken des Prototyps.
Technischen MVP öffnenWas dieses Projekt nicht behauptet
Der Prototyp zeigt nur eine mögliche Richtung: wie innere Entscheidungswerte strukturierter sichtbar gemacht und mit einer Proxy-Perspektive verglichen werden könnten.
Was dieser Case zeigt
Dieser Case zeigt Systems Thinking an einem bewusst schwierigen Problem: abstrakte Entscheidungslogik, Rollenmodellierung, Präferenzdimensionen, Vergleichslogik, Prototype Thinking und klare Abgrenzung dessen, was ein System leisten kann und was nicht.


